sawallisch (1989, bayerisches staatsorchester, live)

 

was für ein wunderbarer, organischer ring! das bayerische staatsorchester spielt mit hingabe, wärme, ruhe, in der enorm viel kraft liegt. sicher ein vorteil, dass es sich hier um live-mitschnitte handelt: hier ist sawallisch einfach perfekt und traut sich möglicherweise mehr als im studio. die bühnengeräusche sind weit weniger – nämlich gar nicht! - störend, als es die schnitte bei gewissen studioproduktionen – insbesondere bei karajan - sind. das ist ein guss und fluss, da geht das drama unentwegt voran.

 

ein hervorragender wotan von robert hale, eine grantige fricka der lipovsek. eine magisch dunkle erda von hanna schwarz; ihrem auftritt wird auch von orchesterseite her eine betörende (vor-)stimmung geschaffen. diese erda, die weiss, was war, ist und wird, kommt wirklich aus einer anderen welt! wlaschiha ist ein ergreifender alberich, pampuch ein verspielter loge – und beide machen ernst mit ihren figuren. kurt moll ist ein kultiviert bedrohlicher und bei allem auch ein warm strahlender hunding wie auch fafner, matti salminen ein verschlagen brutaler hagen. der gunther von nöcker fällt zwischen diesen bass-titanen wesentlich ab. dafür gestaltet die grosse lisbeth balslev eine im positiven sinne erschreckende und verstörte gutrune und waltraud meier gibt’s als adrenalingeladene bonus-waltraute!

 

den bogen spannt die intensive, dramatische behrens als hungrige, bebende und lustgeladene brünnhilde. robert schunk ist ein relativ unauffälliger, aber solider siegmund, dem die varady als spröde sieglinde zur seite steht. sie könnte stimmlich seine mutter sein. schade! rené kollo ist einfach rené kollo. er weiss genau, was er kann. das ist nicht hochintelligenter, aber unbeschwerter und vor allem absolut furchtloser gesang, mit der portion naivität beseelt, die für mich den siegfried plausibel macht. immerhin war kollo der wagner-tenor für runde vier jahrzehnte, während die meisten wagner-tenöre nach fünf bis acht jahren ausgesungen sind. soviel zur sängerischen intelligenz.

 

fazit: eine durch enormes wissen, innige kraft und ruhe getragene orchesterleistung, ein grosses, weil natürliches und beherztes dirigat. ein runder ring und ein stimmiges ensemble, bei dem am ende niemand schlecht dasteht. die live-voraussetzung ist der hör- und erlebbare gewinn dieser aufnahme.