janowski (1980 – 1983, staatskapelle dresden)


der erste digitale ring der aufnahmegeschichte. klangtechnisch hervorragend. das rheingold: wunderbar musikantisch, klar, transparent. zügige aber singbare tempi. nimsgern ist ein vorzüglicher alberich, der in wundervollstem spiel mit seinen kecken rheintöchtern ist. das ist kein vom start an böser alberich, der wird es erst, weil er mit seinem sehnen und dem provozierenden spiel der rheintöchter nicht klarkommt. janowski weiss mit sängern umzugehen, ihnen raum zu schaffen. das ist nie ein gegeneinander, immer ein höchst beschwingtes miteinander von stimme(n) und orchesterfluss. der klang ist warm, leicht trocken, sehr natürlich. wie leicht und federnd die streicher, wie pointiert die hörner und bläser! janowski versucht nicht, etwas zu erzwingen, er vertraut clever auf die stimmungen, die in der partitur liegen. das scheint dieses kammerspiel zu sein, welches karajan bei seinem konzept vorschwebte! unaufgeregt, sec und im besten sinne deutsch erklingt dieses rheingold. wobei janowski in erster linie sorgfältiger organisator denn visionärer oder gar packender gestalter ist.


adams rüstiger senioren-wotan ist ein äusserst deutlichkeitsliebender gott, oder eher halt ein patriarch. mein lieblingswotan wird er zu keiner zeit. dafür ist er einfach zu knorrig und zu kalt. yvonne mintons fricka ist eine echte lady. sie hat raffinesse, eleganz und kontur und sie vermittelt die fricka auf eindringlichste weise in nobler schärfe. matti salminen ist ein famoser fafner, peter schreiers loge ist wunderbar agil, flüssig und liedhaft. für einmal keine giftige karikatur sondern ein beinah scheuer moderator, der manchmal ob der eigenen list und schlauheit erschrickt. marita napier ist eine herausragend lichte und feinsinnig strahlende freia. christian vogels mime ist ein eunuchenhafter leidling. ortrun wenkel ist eine vorzügliche erda, janowski legt ihr einen ebensolchen musikalischen und stimmigen teppich. stryczek ist ein entzückender donner, büchner ein froher und freundlicher froh. wundervoll beschaulich klingt es aus, dieses äusserst fein ziselierte rheingold. woglinde, wellgunde und flosshilde, popp, priew und schwarz, adeln es glänzend und gleissend!


flott und erstaunlich leicht wird der weg zur walküre geebnet. jerusalem ist ein hervorragender, starker siegmund, der sich nicht schont. seine erregung in der begegnung mit brünnhilde ist sensationell gesungen und verkörpert. jessye norman ist schon hier eine sehr körperhafte und stattliche, sinnenvolle sieglinde. wobei sie bei janowski schwerer und grober klingt als jahre später bei levine. hier: dramatik. dort: gereifte, grosse nuancen. kurt molls hunding ist natürlich auch hier ein wonnevoller finsterling. das kammermusikalische element wird orchestral äusserst fein und intim fortgeführt und es gelangen akustische juwelen ans ohr - begegnung siegmund und hunding - die man andernorts nicht so selbstverständlich hört. insbesondere die hörner agieren kontinuierlich himmlisch! so detailbesorgt geht gelegentlich mitreissender schwung ab, janowskis walkürenritt kommt daher wie ein wütendes vivaldi-konzert für mehrere flöten auf lsd. die walküren sind fesch, insbesondere bei wotans urteilsspruch gegenüber brünnhilde. insgesamt ist janowskis walküre die ereignisloseste, die mir bisher untergekommen ist. mit einem derart belehrenden wotan, der schon schwer genug zu ertragen ist und einer nicht vorhandenen brünnhilde - jeannine altmeyer - findet die walküre nicht statt. von feuerzauber nicht die geringste spur.


peter schreier zeichnet mime berührend, behende, clever und exorbitant; wir leiden und bangen mit der gestalt, die andernorts oft null sympathie generiert. kollos siegfried hat sanftheit, er gestaltet wendig, frisch und weich. mag kollo seit jahrzehnten das publikum spalten - ich höre ihn immer wieder liebend gern. das zusammengehen von schreier und kollo ist freude pur! adam erledigt die so unendlich schöne figur des wanderers durch seine kargheit. auch eine leistung. nimsgerns alberich ist prachtvoll auch im siegfried. seine schwarzen höhen, seine zornige zeichnung beeindrucken. bei matti salminen ist fafner herrlich zu hause. norma sharp haucht und trillert das waldvöglein souverän. ortrun wenkel begeistert auch im siegfried als wissend-schlummernde, geheimnisvolle erda. toll!


orchestral blühen im siegfried die bläser, hörner und die flöten, man hört hier einige so bis anhin ungehörte miniaturen und das dirigat kann nach einer etwas trägen ersten halbzeit überzeugen. da sind enorm viele schöne feinheiten, auch verve, aber es ist kein dirigat, das mich an einen anderen ort bringt. das duett siegfried / brünnhilde lässt trotz orchestralen lyrismen und tiefen erstaunlich kühl. kollo wirft sich mit all seinem vermögen ins zeug und begeistert mich, jeannine altmeyers brünnhilde ist weder fass-, spür- noch hörbar geschweige denn auch nur in einzelnen worten verständlich. eine brünnhilde, die einzig säuselt und haucht, wird ihrer rolle nicht gerecht. worum es hier geht, das bleibt ein geheimnis dieser aufnahme.


in der götterdämmerung ist dann vieles positiv gereift. das dirigat macht spass, ist wieder auf rheingold-niveau und lotet aus, was es kann. die drei nornen sind wundervoll. die altmeyer ist keine brünnhilde und ist als solche eine klare fehlbesetzung und plage. sie ist eine meisterin der fahlen ausdruckslosigkeit. ihr "starke scheite" ist ein krieg mit dem orchester, ein tiefpunkt des (wagner-) gesanges. kollo ist als siegfried eine referenz. matti salminen macht hagen alle dunkle ehre, nöckers gunther lässt wiederum letzte wünsche offen. norma sharp ist eine reine gutrune, die beschützerinstinkt weckt. ortrun wenkels waltraute ist vorbildlich.


janowski nimmt das finale des zweiten aktes der götterdämmerung dann für meinen geschmack leider auch viel zu schnell. überhaupt ist sein dirigat hier zwar auf einem ganz hervorragenden niveau, aber es ist kein dirigat, dem man sich hingeben und vertrauen kann. es ist hier einfach zu viel "gemacht".


fazit: ein herrliches und subtiles rheingold, eine spannungsarme walküre, ein halbwegs gelungener siegfried, eine gereifte, immerhin teilweise enthemmte götterdämmerung. ein ring, der viel von dem, was er durch taten verspricht, dann doch nicht einhält. oder der, wenn man es positiv formuliert, seinen eigenen sehr hohen ansprüchen oft nicht gerecht wird. janowskis ring hat höhen und tiefen zugleich wie kein anderer ring.