böhm (1966 - 1967, orchester der bayreuther festspiele, live)


er macht es einem nicht leicht, dieser böhm-ring. vor allem akustisch. es sind nicht primär die bühnengeräusche, die stören, aber das publikum scheint dauererkältet und die souffleuse(n) halten gelegentlich denselben lautstärkepegel wie die sänger. das klangbild insgesamt ist sehr flach und eindimensional, gelegentlich nah an der seekränke. das orchester klingt dominant blechern und kalt. so die akustische ausgangslage.


die rollen sind für einmal durch den ganzen ring gleich besetzt. die rheintöchter sind frisch und haben ein fast wienerisch-operettenhaftes flair. adams wotan ist entschlossen, vermag in seiner hölzernen art aber nicht zu berühren. die burmeister ist eine spröde fricka. windgassen als loge: ein interessantes experiment, aber hier klönt sich der grosse held in weinerlichkeiten; das ist definitiv – zu dem zeitpunkt - nicht seine rolle. vera soukupovas erda klingt im gesamten ring nicht annähernd nach einer erda, eher nach deren total hoffnungslosen auszubildenden.


neidlingers alberich ist einmal mehr exemplarisch: seine verfluchung des rings ist hier ein absolutes meisterstück! erwin wohlfahrts mime ist genial, der kerl leidet durch jede pore wie ein schwein! rysanek und king in der walküre: vielfach gelobt, in meiner langjährigen erinnerung stark gespeichert. doch bei wiederholter begegnung etwas ernüchternd.


stimmlich passen sie optimal. das timbre des unseligen liebespaares ist warm, vollblutsehnend, tief. das sind schon recht erwachsene stimmliche schwergewichte, die sich hier in ekstase rauschen. nienstedt ist ein kühler, taktischer hunding. rysaneks befreiungsschrei, wie siegmund endlich sein schwert aus der häuslichen esche zieht, ist legendär. und doch: es wirkt alles elend schwer, kommt fast nicht vom fleck. in den letzten drei minuten des ersten aktes der walküre dann das feuer, welches man zuvor so vermisst.


die nilsson ist stupend als brünnhilde und liest ihrem göttervater zünftig die leviten. sie ist es denn auch, die den weiteren verlauf dieses ringes dominiert. die walküren sind top, der feuerzauber ist flammend wie selten! beim siegfried dann: die begegnung wanderer / mime ist in jeder hinsicht grossartig gestaltet! windgassen ist ein forscher siegfried, aber die studiopausen bei solti hat er hier nicht zur verfügung. und das ist hörbar. auch seine diktion wirkt zunehmend anästhesiert. der waldvogel der köth ist – nur aus heutiger perspektive? - unmöglich.


und im zwischenspiel des dritten aktes schafft böhm das unfassbare – aber nicht eben wünschenswerte: die musik dreht sich beinahe zähflüssig rückwärts. wie schwer wagner zu spielen ist, das lernen wir hier.


das anfangsduett in der götterdämmerung ist sensationell: die nilsson reisst windgassen derart mit, dass ihm zunehmend die luft wegbleibt. greindl ist ein mächtiger, endlos finsterer und pointierter hagen. dieser sänger ist und bleibt einer der grössten werte, auch ausserhalb von wagners universum. die mödl eine ikonische und furchteinflössende waltraute voller mysterium.


fazit: ein sehr uneinheitlicher ring, klanglich doch sehr suboptimal. starke und stärkste sängerleistungen, punktuell. ein dirigat, mehr verwaltend als gestaltend. der grosse böhm hat väterlich-gütige momente, die tiefen streicher legen stets einen herrlichen puls. doch über allem dominieren unangenehme temposchwankungen und die ruppigkeit.