karajan

wiener philharmoniker / konzertvereinigung wiener staatsopernchor / barstow / domingo / nucci / quivar / jo (1989)

karajans letzte operneinspielung, zur einschwörung auf die salzburger festspiele 1989. er starb wenige monate später, solti übernahm die aufführungen kurzfristig, konnte sich aber weder in salzburg halten noch karajan da beerben. diese aufnahme flirrt, brennt und lodert und löst jedes zeitgefühl auf. die atmosphäre ist düster und gravitätisch, aber dennoch voller farben. hier erleben wir intimität, sattheit und atem bis ins letzte detail. in grosser gelöstheit erzählt karajan diese geschichte, mit inniger empfindung für seine protagonisten. und mit einer altersweisen und kecken freundlichkeit, die uns bis zuletzt in der falschen sicherheit wiegt, es käme alles noch gut. domingo singt – weil karajan ihn lässt und ihm vertraut - völlig frei, verspielt, verführerisch, aber auch – wie der verlauf der geschichte es erfordert – zunehmend fragil und gebrochen. zufälle gibt es – bei karajan erst recht – nicht: den letzten worten in verdis maskenball nach hätte karajan sich nicht sinnfälliger verabschieden können. er tut es mit liebe, wehmut – und einem lächeln.



muti


new philharmonia orchestra / chorus of the royal opera house, covent garden / arroyo / domingo / cappuccilli / cossotto / grist (1975)


die geschichte einer hehren männerfreundschaft, die durch intrige, verschwörung und mehr oder minder berechtigte eifersucht ihr tödliches ende findet, wird von muti mit nüchternheit und bedacht auf rhythmus entfächert. muti schafft es, die intensität der oper in oft kammermusikalischem gewebe minütlich und inhaltlich plausibel bis zum bitteren ende zu steigern, indem er ganz bei der geschichte bleibt und sich keiner falscher zutaten bedienen muss. das unheilschwangere räderwerk von verdis komposition wird somit trocken, ernst und unaufhaltsam in gang gesetzt. das ist beeindruckend und wird von einer tadellosen sängerriege mitgetragen. die ensembleszenen geraten allesamt zu mitreissenden höhepunkten. domingo singt, wie er es meistens tut: kernig, forsch und letztendlich eine spur zu unbeteiligt. eine technisch mustergültige aufnahme, die auf der gefühlsebene jedoch bis kurz vor dem ende zu unterkühlt bleibt.