gardelli

konzertvereinigung wiener staatsopernchor / wiener opernorchester / gobbi / souliotis / prevedi / cava / carral (1965)

verdis frühwerk: eine handlung, der man mit vorteil gar nicht ernsthaft zu folgen versucht. besser stürzt man sich in die musik. diese zeigt bereits alles, was in verdi ist: höchstes vermögen, einzelne charaktere zum leben zu bringen nebst und mitsamt grossen chor- und brillianten ensembleszenen. die figuren in nabucco prophezeien bereits lady macbeth, rigoletto und die aida. und, in der oper wie im leben: die themen bleiben ewig gleich, nur die handelnden werden ausgewechselt. verdis zorn, verdis liebe, verdis rhythmen und seine lyrik - in nabucco finden sie ihre erste fulminante plattform. die souliotis muss für ihre menschwerdung der abigaille auf diese erde gekommen sein. ohne furcht, sich selbst und nichts und niemanden schonend, erschüttert und begeistert sie mit in der aufnahmegeschichte sonst kaum vorhandenen tönen und einem ausdruckswert, der unvergleichlich bleibt. kein wunder, ruinierte sie sich mit diesem einsatz ihre stimme in kürze - aber man ist versucht zu sagen, es hat sich gelohnt. gobbi ist gross und schön, innen und aussen. seinen machtanspruch, seinen wahn, gestaltet er unmissverständlich klar, aber nie ohne wärme, güte und liebe. auch der könig von babylon ist in erster linie ein vater – und fähig, um vergebung zu bitten und sich schlussendlich demütig zu seinem gott zu bekennen. gardelli, der sich immer für verdis rare und unbekanntere stoffe stark gemacht hat, leitet ausnahmslos jeden takt mit aufrichtigem gefühl, kurzweilig und beseelt.


muti

philharmonia orchestra / ambrosian opera chorus / manuguerra / scotto / luchetti / ghiaurov / obraztsova (1978)

manuguerra ist ein kräftiger und potenter, vokal insgesamt beeindruckender könig. seine gestaltung beschränkt sich aber auf äusserlichkeiten und das interesse an seiner stimme ist - weil völlig unwandelbar - rasch dahin. luchetti macht den ismaele vital und frisch, die obraztsova ist eine energische fenena. renata scotto als abigaille ist umstrittene geschmackssache. ich liebe ihre performance - auch hier. ja, sie ist keifend und forsch, klingt mehr nach (mindestens) der schwester und nicht der vermeintlichen tochter des königs von babylon. egal. ihr furchtloser und furchteinflössender, uneingeschränkter zugriff packt und reisst mit. muti disponiert klug, lotet die elastik des dramas mit strenge und genuss aus und befeuert orchester und chor zu einer farben- und facettenreichen klangorgie, die auch technisch hervorragend eingefangen ist. teilweise betörend schön und immer sehr stark. aber immer etwas "gemacht" und nicht an und in der innigen und berührenden grundstimmung, die gardelli in seiner einspielung so vollkommen natürlich erreicht.